25 | Wenn Coaching nicht reicht - wann Therapie der richtige Weg ist
Shownotes
Du hast die Werkzeuge. Du kennst die Muster. Und trotzdem fühlst du dich wie bei "Täglich grüsst das Murmeltier".
Wenn Coaching nicht mehr greift - nicht weil du zu wenig willst, sondern weil das Hindernis tiefer liegt als jede Session reicht - dann ist das ein Signal. Kein Versagen.
Du hörst in dieser Folge:
- Wo die Grenze zwischen Coaching und Therapie wirklich liegt
- Drei Signale, die dir zeigen, dass du mehr brauchst als Struktur und Strategie
- Warum ich Coachings manchmal pausiere - und warum meine Klientinnen das schätzen
Laut DAK-Psychreport 2025 haben Frauen rund 60 Prozent mehr psychisch bedingte Fehltage als Männer. Das sind keine abstrakten Zahlen. Das sind Frauen, die zu lange gewartet haben - zu lange funktioniert.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Dienstagvormittag kurz nach neun.
00:00:02: Elena ist bereits im Call, als ich mich dazuschalte.
00:00:05: hinter ihr ein ordentliches Homeoffice helles Regal viele Bücher und natürlich Pflanzen fürs Ambiente.
00:00:12: das Bild einer Frau die alles im Griff hat aber ihr Gesicht erzählt etwas anderes.
00:00:17: Ich frage sie wie die Woche war also nicht nur beruflich sondern wie es hier wirklich geht.
00:00:22: Sie zögert Und dann sagt sie, naja.
00:00:25: Sie hätte kaum geschlafen, kaum gegessen.
00:00:27: Morgens wäre sie aufgestanden weil der Wecker halt klingelte und einfach funktioniert – aber nicht, weil sie großartig Motivation hatte!
00:00:34: Wir arbeiten seit Monaten zusammen.
00:00:37: Der Ausgangspunkt war immer derselbe.
00:00:39: Elena ist schwieriger vorgesetzt.
00:00:41: Eine Frau mit der Gabe andere mit chirurgischer Präzision klein zu machen.
00:00:45: Kein lautes Wort, kein offener Angriff.
00:00:49: Nur ein übersäuertes Lächeln hier... Ein, ja interessant dort.
00:00:53: Das klingt wie das genaue Gegenteil.
00:00:55: und dann der Umgang mit Ellenders Ideen die Meeting untergehen um dann drei Wochen später im Protokoll aufzutauchen mit einem anderen Namen darunter.
00:01:03: Wir haben an Ellinas Glaubenssätzen gearbeitet An der Stimmel in ihr Die flüstert Du bist nicht gut genug Das bildest du dir nur ein.
00:01:11: Und es hat sich tatsächlich etwas verändert.
00:01:13: Spülbar und in echt.
00:01:15: Nach zwei Sessions schrieb sie mir Heute war ich wirklich da.
00:01:20: Jetzt sitzt sie mir wieder gegenüber, fängt an zu erzählen ruhig fast mechanisch so wie jemand spricht der die Geschichte schon zu oft erzählt hat und dann bricht ihr die Stimme einfach weg.
00:01:31: Sie schaut kurz runter und sagt dann ich sitze danach da und das einzige was ich denke ist Ich bin einfach nicht gut genug Und das nach allem!
00:01:40: Das muss doch irgendwann aufhören.
00:01:42: Ihre Tränen kommen leise erschöpft ohne gegenwehr.
00:01:46: Ich sitze da und in mir wird es sehr ruhig.
00:01:50: Nicht ruhig im Sinne von alles gut, sondern ich weiß jetzt was hier gebraucht wird.
00:01:54: Und ich bin es nicht!
00:01:55: Sondern... Das sind ganze sechzig Prozent.
00:02:25: Auch in der Workplace-Inside-Studie von zwanzigfümundzwanzig, das ist die größte deutsche Beschäftigungsstudie zum Thema psychische Belastung zeigt, dass Burnoutrisiko bei Frauen zwischen einund dreißig und vierzig Jahren am höchsten – genau in der Lebensphase, in der berufliche Ambition, Führungsverantwortung und private Verpflichtungen aufeinandertreffen.
00:02:45: Job, Kinder, Eltern und natürlich der Partner!
00:02:49: Und genau das ist die Phase, in der viele Frauen zu mir ins Coaching kommen.
00:02:53: Das sind keine abstrakten Zahlen – das sind meine Klientinnen!
00:02:57: Vielleicht bist du das ja auch?
00:02:59: Dahinter steckt eine kritische Frage, die ich mir als Coach stellen muss… Was brauchen diese Frauen wirklich und kann ich das geben?
00:03:06: Lass mich sehr klar sein ….
00:03:07: Wo liegen meinen Grenzen als
00:03:09: Coach?!
00:03:10: Als Coach arbeite ich in die Zukunft mit einem kurzen Blick zurück….
00:03:14: Ich schaue welche Muster da Dekodiere sie für deine Gegenwart und helfe dir, den nächsten Schritt zu gehen.
00:03:20: Der Fokus liegt immer auf dem was möglich ist An der Umsetzung an der Überwindung von eigenen meistinneren Grenzen.
00:03:28: Daneben gibt es noch die therapeutische Begleitung Und die macht etwas Grundlegendes anderes.
00:03:33: Sie arbeitet in der Tiefe der Vergangenheit An den Stellen an denen sich etwas festgesetzt hat lange bevor du in diesen Job gegangen bist Lange bevor Du diese Rolle übernommen hast.
00:03:44: Dort wird aufgedeckt, aufgelöst und geheilt.
00:03:47: Aber die entscheidende Voraussetzung für ein Coaching ist dass du noch das Steuer in der Hand haben musst auch wenn die Straße gerade holprig ist Auch wenn Du Rückschritte machst.
00:03:57: Solange du das Lenkrad noch greifen kannst sind wir im richtigen Rahmen.
00:04:01: aber Wenn dein Hindernis so tief sitzt Das keinst der Werkzeuge dich dauerhaft erreicht Dann ist das keine Information über Dich als Person.
00:04:14: Genau das war der Moment mit Elena.
00:04:16: Die Struktur stand, die Kommunikation war geklärt – diese Systeme entschlüsselt.
00:04:21: Wir hatten das gemeinsam erarbeitet und trotzdem passierte dasselbe wieder.
00:04:25: Sie konnte das Steuer sehen aber sie konnte es nicht anfassen Und das war nicht ihr Versagen.
00:04:30: Das war einfach der Hinweis, dass das Hindernis tiefer lag als jede Sitzung mit mir reicht.
00:04:36: Elena ist leider kein Einzelfall.
00:04:38: Ich sehe diese Signale immer wieder in meiner Arbeit und sie kommen selten laut, meistens schleichen Sie sich so ganz leise von hinten an.
00:04:46: Deshalb möchte ich dir drei davon mitgeben – und zwar nicht als Checkliste sondern eher als eine Einladung genau hinzuschauen!
00:04:54: Erstes Signal Wenn dein Körper lauter wird als dein Kopf Erschöpfung die kein Urlaub wegmacht Schlaf der nicht erholt.
00:05:01: Du liegst acht Stunden wach Und wachst müde auf als vorher.
00:05:05: Ein Herz das schneller schlägt wenn du nur in den Montag morgen denkst Tränen, die kommen ohne dass du weißt warum.
00:05:11: Beim Autofahren unter der Dusche mitten im einem harmlosen Gespräch.
00:05:16: Die Forschung ist eindeutig – die häufigsten Frühwahnzeichen bei Frauen sind emotionaler Schöpfungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.
00:05:24: Signale, die lange vor einem Zusammenbruch da sind und die die meisten Frauen übersehen.
00:05:29: Nicht weil sie nicht hinschauen sondern weil Sie gelernt haben weiterzumachen zu funktionieren.
00:05:34: Dein Körper lügt nicht!
00:05:36: Er hat nur lange gewartet bis Du zuhörst Und wenn er so laut spricht, dass du ihn nicht mehr überhören kannst?
00:05:41: Das ist dann mir als ein Aufschrei.
00:05:43: Das ist dein System, das dir etwas sagt!
00:05:46: Zweites Signal Wenn Werkzeuge einfach nicht funktionieren Du lernst eine Technik, baust deine Struktur auf, kommunizierst und agierst anders und kehrst trotzdem immer wieder an denselben Punkt zurück Nicht weil du willst, nicht weil du zu wenig Disziplin hast.
00:06:01: Das ist das Bild der sich aus meiner Arbeit kenne Eine Frau die alles richtig macht Die die Hausaufgaben gemacht hat die die Werkzeuge kennt und trotzdem wieder da sitzt, wo sie letzte Woche war.
00:06:12: Und?
00:06:12: Die sich dafür schämt!
00:06:14: An dieser Scham ist nichts dran, sie ist falsch adressiert – das Hindernis liegt tiefer, tiefer als jedes Coaching-Werkzeug reicht.
00:06:22: Das dritte Signal Wenn dein Erleben sich von deiner Wahrnehmung entkoppelt.
00:06:26: Das ist das subtilste Signal und das was wir am meisten ernst nehmen müssen wenn du nicht mehr sicher bist was reales und was du dir einbildest weil du dich einfach nicht mehr erinnern kannst Wenn du merkst, dass deine Reaktion auf Situationen die selbst überraschen oder auch erschrecken.
00:06:42: Wenn das Gefühl entsteht nicht mehr ganz herrenüber das zu sein was in dir vorgeht.
00:06:46: Hier ist Coaching schlicht nicht der richtige Rahmen weil Du zu viel trägst Dass ein Gespräch über Ziele und Strategien da helfen könnte.
00:06:54: Jetzt fragst Du Dich vielleicht Was sage ich in so einem Moment?
00:06:57: Es gibt keinen Satz der es einfach macht Aber es gibt Sätze Die klar sind ohne zu verletzen.
00:07:03: Zum Beispiel Ich merke, dass wir gerade an eine Grenze angestoßen sind.
00:07:07: Nicht dann deine sondern an meine!
00:07:09: Was du gerade trägst ist größer als das womit ich als Coach arbeiten kann.
00:07:14: Ich bitte dich das ernst zu nehmen – eventuell braucht es hier eine andere professionelle Begleitung aber ich bin weiter hier und ich warte auf Dich.
00:07:23: Dieser letzte Satz ist mir der wichtigste denn das ist der Unterschied zwischen abschieben und begleiten.
00:07:30: Ich zeige auf die Tür, die gerade wichtiger ist als meine und halte meine dabei offen.
00:07:35: In einigen Fällen habe ich Coachings pausiert – nicht beendet, pausert!
00:07:39: Mit der klaren Ansage «Ich bin noch da», wir machen weiter wenn die Basis dafür wieder gegeben ist.
00:07:45: Manchmal kam diese Basis zurück nach ärztliche Abklärung, manchmal nach einer Phase therapeutischer Begleitung, manchmal eine Medikamentengabe, die dem Boden wieder stabilisiert hat, auf den wir dann wirklich weiterarbeiten konnten… Und jedes Mal war ich froh diesen Schritt vorgeschlagen zu haben.
00:08:02: Und was mich immer wieder berührt, meine Klientinnen schätzen genau das – nicht trotzdem sondern deswegen!
00:08:09: Weil sie einfach merken dass sich nicht auf Teufel kommen raus Stunden abarbeiten, sondern dass ich hinschaue und dass ich ihnen Zeit gebe auch wenn es bedeutet einen Schritt zurückzutreten.
00:08:20: Dieses Vertrauen ist für mich das Wichtigste was in einem Coaching entstehen kann Und es entsteht genau dann, wenn ich meine Grenzen auch klar und deutlich anerkenne.
00:08:30: Ich habe mich selbst auch schon professionell begleiten lassen.
00:08:32: Ich weiß aus eigenem Leben was es bedeutet diesen Schritt zu gehen – und was er bewirken kann!
00:08:37: Es ist kein leichter Schritt nicht weil Therapie schlimm wäre oder du verrückt bist sondern weil er bedeutet anzuerkennen, ich brauche Unterstützung weil ich es alleine nicht tragen kann.
00:08:48: Und für uns Frauen, die ihr Leben lang gelernt haben zu funktionieren – die Stärke gelernt haben wie eine zweite Sprache ist das oft einer der schwersten Sätze überhaupt.
00:08:58: Ich spreche hier so offen darüber weil ich glaube wir warten zu lange.
00:09:01: Zu lange funktionieren wir, zu lange glauben wir dass es schon irgendwie geht als sei das eine Art von Strategie.
00:09:08: Es geht irgendwie bis es eben nicht mehr geht.
00:09:11: Deshalb sage ich das hier laut wenn du spürst dass etwas mehr brauchst als Strukturenstrategie Sprich mit deinem Hausarzt, deiner Hausärztin.
00:09:20: Such dir einen Therapeuten eine Therapeutin.
00:09:22: Mach den ersten Schritt!
00:09:23: Das kostet dich ein Gespräch mehr
00:09:25: nicht.".
00:09:27: Elena hat sich Hilfe geholt – das war kein Ende unserer Arbeit.
00:09:30: es war der Beginn des Fundaments auf dem wir danach wirklich stabil bauen konnten.
00:09:35: und weißt du was sie mir Wochen später gesagt hat?
00:09:38: Ich hätte nie gedacht dass ich das Steuer erst abgeben muss um es wieder in die Hand nehmen zu können.
00:09:44: Du weißt selbst am besten was du gerade trägst.
00:09:46: Vertraudem Nicht mehr und nicht weniger.
00:09:49: Bleib sichtbar, stark und unverschämt echt!
00:09:52: Bis nächste Woche.
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