24 | Wenn "aus Versehen" kein Zufall mehr ist
Shownotes
„Ich bin eigentlich froh, dass ich nicht dabei war. Und trotzdem nervt es mich.“
Ein Satz, den viele Frauen kennen dürften. Nicht eingeladen. Nicht im CC. Einfach nicht berücksichtigt. Und gleichzeitig das Gefühl: Eigentlich wollte ich da gar nicht hin.
Warum trifft es dann trotzdem so?
In dieser Folge geht es über Mikroaggressionen am Arbeitsplatz, subtile Ausgrenzung und den Moment, in dem Frauen anfangen, ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr zu trauen.
Auf dich wartet:
- Warum Mikroaggressionen so schwer greifbar sind
- Weshalb der eigentliche Stress oft erst nach der Situation beginnt
- Der Zweifels-Loop: „War das Absicht oder bilde ich mir das ein?“
- Weshalb „erleichtert und verletzt gleichzeitig“ kein Widerspruch ist
- Drei konkrete Werkzeuge, um aus dem Grübeln auszusteigen
Du merkst beim Zuhören, dass dich solche Dynamiken mehr Kraft kosten, als du dir eingestehen möchtest? Genau dafür gibt es mein Coaching. Wir schauen gemeinsam hin - ohne Drama, aber auch ohne Schönreden.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Paula sitzt mir gegenüber und sagt einen Satz, der mich innehalten lässt.
00:00:04: Und weißt du was das Komische ist?
00:00:06: Ich bin eigentlich froh, dass ich nicht dabei war.
00:00:09: Pause!
00:00:10: Und trotzdem tut es so weh.
00:00:12: Paula arbeitet in einer Agentur – mittelgroß digital sehr auf Wirkultur bedacht.
00:00:18: Die Geschäftsführung redet gerne über Zusammenhalt, über flache Hierarchien Über.
00:00:23: wir ziehen alle am gleichen Strang.
00:00:26: Die Website hat ein ganzes Kapitel über Unternehmenskultur und zwar mit Fotos vom letzten Team-Event.
00:00:31: Und dann das ein wichtiges Kundenbriefing, terminiert auf einen Tag an dem Paula auf einer Fachtagung ist für die Agentur im Auftrag der Agentur.
00:00:42: andere Daten wären auch verfügbar gewesen aber niemand hat gefragt.
00:00:46: kein böser Wille sagt Paula.
00:00:48: wahrscheinlich also vermutlich vielleicht.
00:00:52: Aber wenn ich ehrlich bin ist es nicht das erste Mal.
00:00:56: Und genau das ist der Moment, in dem ich weiß worüber wir heute sprechen.
00:01:32: aber niemand geprüft hat, ob sie auch kann.
00:01:35: Einzelnen betrachtet?
00:01:36: Alles erklärbar!
00:01:37: Als Ganzes betrachtet ein Bild das sich abzeichnet.
00:01:41: Paula weiß es – Sie spürt es, aber sie kann es nicht greifen und nicht beweisen.
00:01:48: Und genau das ist das perfide an Mikroaggression.
00:01:52: Das ist ein Begriff der geht auf den US-Psychologen Derrit Wing Sue von der Columbia University zurück.
00:01:59: Der hat ihn in sieben Schärfer definiert.
00:02:02: Und zwar als subtile alltägliche Herabsetzung, die absichtlich oder kann es umsätzlich sein können aber immer dasselbe Signal senden du gehörst nicht ganz dazu zu unterscheidet hier in drei Formen Mikro Angriffe die offenbar kennbar sind.
00:02:19: Mikro Beleidigungen Die klar unhöflich sind Aber schnell weg geredet werden und dann noch Mikro Entwürdigung und das sind die schwierigsten Botschaften, die ausschließen dass man ihnen direkt etwas nachweisen kann.
00:02:32: Was Paula erlebt sind Mikroentwürdigungen.
00:02:35: Die McKinsey-Studie Women in the Workplace hat das gut in Zahlen gefasst.
00:02:40: Frauen erleben solche subtilen Ausschlussmechanismen regelmäßig und die direkte Folge ist gesunkene psychologische Sicherheit.
00:02:48: Frauen trauen sich weniger Ideen einzubringen oder Bedenken zu äußern weil sie gelernt haben wenn du dich zeigst riskierst du nicht ernst genommen zu werden Und das hat nichts mit persönlicher Schwäche zu tun, dass es eine rationale Reaktion auf ein irrationales Umfeld.
00:03:04: Und noch einen Kontext, der erklärt warum dieses Thema gerade so präsent ist – weil offene Diskriminierung längst verboten ist, hat sich subtiler Sexismus zunehmend in genau diese Form verwandelt.
00:03:15: In Verhaltensweisen die sich als versehenden Tarn, die niemand benennen kann und die die Betroffene am Ende allein mit der Frage zurücklöscht….
00:03:24: war ich es?
00:03:25: Oder was war das?
00:03:27: Ich nenne das den Zweifelsloop.
00:03:29: Denn, was dann passiert ist dein Kreislauf, den ich aus vielen Coachings kenne.
00:03:33: Du nimmst etwas wahr!
00:03:35: Du fragst dich ob du falsch legst... ...du relativierst….
00:03:39: …du schaust ob es wieder passiert und es passiert wieder.
00:03:43: Du sprichst es nicht an weil du nicht als schwierig gelten willst aber die Anspannung wächst Und irgendwann liest du alles durch diese eine Brille Und dann bist du an dem Punkt, an dem Paula gerade ist.
00:03:55: Nämlich hoch sensibilisiert!
00:03:57: Nicht aus der Empfindlichkeit sondern weil du zu lange alleine damit warst.
00:04:01: Das ist kein Persönlichkeitsfehler das es eine verständliche Reaktion auf eine Situation die keine klaren Regeln hat.
00:04:08: und jetzt kommen wir nochmal zu dem Satz der mich inne halten ließ.
00:04:12: Ich bin froh dass ich nicht dabei war und trotzdem tut es weh.
00:04:16: Das klingt widersprüchlich ist es aber nicht.
00:04:19: Paula ist froh weil sie weiß Diese Meetings sind oft Energiefresser.
00:04:23: Die Wirkultur der Agentur ist gut gemeint, aber manchmal echt anstrengend.
00:04:28: Das Briefing hätte ihr wahrscheinlich einen langen Arm beschwert.
00:04:31: Ein Teil davon ist wirklich erleichtert Aber gleichzeitig – und das ist der entscheidende Punkt geht es hier gar nicht um das Meeting.
00:04:39: Es geht dir um das Signal dahinter.
00:04:41: Nicht berücksichtigt werden heißt du bist nicht relevant genug um im Kalender aufzutauchen Und das schmerzt unabhängig davon ob du das Meeting haben wolltest oder nicht.
00:04:50: Es geht nicht um das Meeting, es geht darum ob du vorkommst.
00:04:54: Ich kenne das aus eigener Erfahrung!
00:04:56: Ich war selber öfter nicht bei Team Events dabei irgendwie verhindert vielleicht ein anderer Termin oder das Timing hat einfach nicht gepasst.
00:05:04: und trotzdem kenn ich dieses leise Unbehagen.
00:05:06: alle reden danach über etwas dass ohne mich passiert ist Nicht böswillig aber ohne mich.
00:05:12: Und der Unterschied zwischen ich konnte nicht und man hat nicht daran gedacht ist kleine als er aussieht Denn das Gefühl dahinter ist dasselbe.
00:05:21: Wenn Frauen in Coachings über solche Situation sprechen, kommen irgendwann zwei Fragen.
00:05:26: Die erste ist die Offensichtliche – war das eine Mikroaggression oder ein Zufall?
00:05:31: Aber die zweite Frage ist eigentlich die wichtigerer und sie wird seltener laut ausgesprochen.
00:05:36: Warum trifft mich das so?
00:05:37: Warum stehe ich da nicht einfach drüber?
00:05:40: Und bei dieser Frage bleibe ich gern länger denn sie verrät etwas!
00:05:43: Wenn eine Situation diese Intensität auslöst, dieses Grübeln, dieses Aufwachen um drei Uhr nachts, dieses innerliche Durchspielen dann geht es meistens um mehr als den verpassten Termin.
00:05:55: Dann berührt dieses Ereignis etwas was da schon da war ein Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit die alte Geschichte darüber ob man dazugehört oder nicht.
00:06:04: Ein Selbstbild das sagt wenn ich nicht berücksichtigt werde bin ich nicht wichtig genug Und genau deshalb schmerzt die Mikroentwürdigung so unverhältnismäßig.
00:06:14: Die Situation selbst ist nicht dramatisch, aber sie trifft auf etwas das einfach empfindlich ist.
00:06:20: Das anzuerkennen ist keine Schwäche Denn es ist der Anfang davon dem Ganzen weniger Macht zu geben.
00:06:26: Im Coaching versuche ich in solchen Situationen nicht das Erleben zu bestätigen oder zu widerlegen.
00:06:31: Ich versuche der Situation die Kraft wegzunehmen.
00:06:34: Das klingt kontraintuitiv Aber ernst nehmen und alles durch diese Brille sehen sind zwei verschiedene Dinge.
00:06:41: Paula habe ich zuerst gefragt, was könnten Erklärungen sein außerhalb der Annahme das es mit dir zu tun hat?
00:06:47: Agenturen haben Kalenderchaos Es gibt spontane Entscheidungen, unausgesprochene Annahmen über Verfügbarkeiten, Kommunikationslücken zwischen den Teams.
00:06:57: Die Person die den Termin eingestellt hat, hat vielleicht schlicht nicht geprüft wer gerade unterwegs ist.
00:07:03: aber Und das ist wichtig, manchmal gibt es noch eine andere Erklärung.
00:07:07: Eine, die Paula eigentlich nichts angeht und die sie auch gar nicht wissen muss.
00:07:12: Jemand in diesem Unternehmen hat seine eigene Agenda – interne Machtdynamiken.
00:07:16: Entscheidungen, die schon gefallen sind bevor Paula überhaupt im Raum war.
00:07:21: Das hat nichts mit ihr zu tun!
00:07:22: Und trotzdem landet er bei ihr.
00:07:25: Diese Gedankenlosigkeit tut weh.
00:07:27: Ein hidden Agenda tut wehh….
00:07:29: Aber beides ist etwas anderes als du wirst systematisch und böswillig ausgegrenzt.
00:07:34: Das Zweite, was ich mit Paula gemacht habe – den Widerspruch stehen lassen!
00:07:39: Du darfst gleichzeitig erleichtert unverletzt sein.
00:07:42: Das sind keine widersprüchlichen Gefühle, das sind zwei echte Wahrheiten.
00:07:46: Die eine macht die andere nicht ungültig.
00:07:49: Oft ist diese Aufforderung sich zu entscheiden entweder verletzt zu sein oder drüberzustehen der eigentliche Druck….
00:07:56: aber beides darf wahr
00:07:57: sein.".
00:07:58: Was kannst du also davon für dich mitnehmen?
00:08:01: Nehmen dir die folgenden drei Werkzeuge zur Hand.
00:08:04: Erstes Werkzeug, schreib es auf aber nicht zur Bestätigung Wenn du immer wieder das Gefühl hast übergangen zu werden, schreibt die Situationen auf Nicht um sie zu sammeln oder eine Anklage zu bauen Sondern um sie aus dem Kopf zu bringen.
00:08:18: Der Kreislauf dreht sich oft weil das Erlebte kein Ort hat.
00:08:22: Ein Zettel gibt ihm ein Ort Und mit etwas Abstand kannst du schauen.
00:08:26: Gibt es tatsächlich eine Regelmäßigkeit?
00:08:28: Oder war es drei Mal in sechs Monaten, was unangenehm ist aber ein anderes Gewicht halt als dreimal in zwei Wochen?
00:08:36: Zweites Werkzeug.
00:08:38: Die Alternativenfrage.
00:08:39: Bevor du eine Situation als gezielten Ausschluss interpretierst frag dich bewusst Was könnte auf der anderen Seite los sein, wovon ich nichts weiß?
00:08:48: Kalenderchaos Eine unausgesprochene Annahme Eine interne Dynamik die nichts mit mir zu tun hat.
00:08:54: Das bedeutet nicht das Erleben wegzudiskutieren.
00:08:57: Es bedeutet dir bewusst Alternativen anzubieten, damit die schlimmste Interpretation nicht automatisch die einzige ist, die übrig bleibt.
00:09:05: Drittes Werkzeug?
00:09:07: Sag was du brauchst!
00:09:08: Konkret und ohne Anklage.
00:09:10: Das ist das Schwierigste aber auch das Wirksamste.
00:09:13: Nicht nie berücksichtigt ihr mich Sondern.
00:09:17: ich brauche bei Termin mit Kundenbezug ein CC Auch wenn ich nicht direkt involviert bin.
00:09:22: Kannst Du das bitte zukünftig im Auge behalten?
00:09:25: Du gibst der anderen Person damit eine konkrete Möglichkeit, es zu ändern und du weißt danach ob sich etwas verändert.
00:09:32: Wenn ja gut.
00:09:33: wenn nicht hast du eine Information die klarer ist als jedes Krübeln?
00:09:38: Paula hat am Ende unserer Session etwas gesagt was ich dir mitgeben will.
00:09:42: sie meinte Ich glaube was mich am meisten erschöpft ist nicht das was passiert.
00:09:47: Es ist wie lange ich danach noch damit beschäftigt bin genau dass Der eigentliche Energiefresser ist nicht die Situation selbst, es ist das danach.
00:09:57: Das Grübeln, das Abwägen, das Entfragestellen der eigenen Wahrnehmung.
00:10:01: Du kannst dir diese Situation nicht immer aussuchen aber du kannst entscheiden wie lange du damit allein bleibst.
00:10:06: Wenn du gerade in so einem Muster steckst, komm ins Gespräch.
00:10:09: Link zum Kennenlernen-Gespräch findest du in den Show Notes Und wenn ihr diese Folge ein Aha Moment gegeben hat schick sie weiter An die Frau in deinem Umfeld die gerade genau diese Frage stellt Bin ich zempfindlich oder war das wirklich unangebracht?
00:10:25: Die Antwort ist meistens, beides darf wahr sein.
00:10:29: In diesem Sinne bleibt sichtbar stark und unverschämthecht!
00:10:32: Bis nächste Woche.
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